Category Archives: Job

Job

Von den Großen und den Kleinen

Gestern Abend saß ich bis 0:30 Uhr im Büro. Keine Angst, ich hab nicht vor rumzujammern.

Ich arbeitete unter anderem an einem relativ kritischen Problem beim Adventskalender des Bayerischen Fußballverbands und kam dabei ein bisschen ins Überlegen.

Ich bekomme diese außergewöhnliche Arbeitszeit nicht irgendwie besonders bezahlt, auch kommt niemand und lädt mich dafür irgendwohin ein. Es gehört für mich einfach irgendwie zum Service. Dem Service, der grafiniert und viele andere kleine Firmen oft zur berechtigten Alternative zu großen Unternehmen macht.

Gerade hier in Deutschland haben wir ja eine Servicewüste sonders gleichen. Erst vor wenigen Tagen musste ich das leider bei einem großen Mobilfunkunternehmen mit den Blubberblasen erfahren. Prämie für Rufnummernmitnahme wird nur mit Gesprächs- und SMS-Kosten im Inland verrechnet – da gabs kein Rütteln und kein “Auf den Kunden zugehen” – auch wenn mir die Damen und Herren beim Twitter-Support bestimmt auch einfach 10 € Gutschrift machen hätten können. So bin ich halt enttäuscht.

In unserer Branche ist das nicht viel anders, vermute ich. In großen Unternehmen wird am Freitag abend um 12 niemand mehr an einem Problem mit dem Internet Explodierer arbeiten. Jeder wird sein wohlverdientes Wochenende genießen. Ich saß im Büro und habe unserem Kunden geholfen. Unentgeltlich. Weil ich möchte, dass es mit mir genau so gemacht wird.

Was denkt ihr zu dem Thema? Welche Erfahrungen habt ihr mit den Großen und den Kleinen gemacht und was würdet ihr bevorzugen? Die kleine Firma, bei der ihr das Team persönlich kennt oder das große Unternehmen bei dem ihr euch an support@… wendet und auf Antwort hofft?

In den letzten Zügen.

Nein, es geht nicht um Züge. Nicht um die Bahn und schon gar nicht um Verspätungen.

Meine Masterarbeit und somit die letzten Züge meines Studiums laufen. In der Arbeit geht’s nicht wie bei Torsten um Tankstellen oder sowas. Nein, es geht um Single Sign On und Webservices. Konkret heißt das Thema “Der Identity Provider als Security Token Service

Ein Identity Provider ist ein Service, der im Internet die Verwendung der Daten eines Accounts (z.B. Facebook) in einem anderen Dienst (z.B. flickr o.ä.) erlaubt. Ein Security Token Service ist ein Service, der aus diesen Daten Sicherheitsmerkmale erstellt, die für sichere Kommunikation o.ä. verwendet werden.

Den größten Teil der Arbeit stellte die Entwicklung eines Prototypen dar. Dieser Prototyp sollte die beiden Konzepte in einem System vereinen und die Machbarkeit anhand dessen belegen. Nunja: Ich habe noch 32 Tage Bearbeitungszeit vor mir und der Praxisteil ist abgeschlossen  - Gott sei Dank. Also. Eher Ruby on Rails sei Dank. Die Programmiersprache der Wahl hat mir in diesem Fall mal wieder einiges an Stress erspart und ich bin immer wieder begeistert darüber, wie schnell und effizient man mit Ruby Funktionen und Systeme realisieren kann.

Das Basissystem, auf dem mein Prototyp aufbaut ist ein bestehender Identity Provider, umgesetzt mit Ruby on Rails. Das Besondere war dabei aber, dass bereits mit Rails 3 gearbeitet wurde. Ich hatte bisher immer nur mit Rails 2 gearbeitet und die Änderungen in der aktuellen, dritten Version waren doch beachtlich. Mittlerweile komme ich ganz gut damit zurecht.

Mittlerweile kämpfe ich mich also durch hunderte Seiten Sekundärliteratur, zig Spezifikationen und Dokus und bin dabei den Theorieteil fertigzustellen.

Alles in Allem freue ich mich, wenn ich am 6.10. meine letzte wissenschaftliche Arbeit abgeben kann und dann mit 2 Kursen im kommenden Semester auf die Zielgerade meines Studiums einbiege. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich kaum glauben kann, wie schnell die 5 Jahre (6, wenn man mein verkorkstes Dipl. Mathe mitzählt) Studium vergangen sind. Ich freue mich darauf, wenn ich ab März dann meine ganze Zeit und Energie in grafiniert stecken kann.

Drückt mir die Daumen, dass mein Traum mit der Selbstständigkeit funktioniert.

In diesem Sinne: Sänk ju for träveling wis Uni Regensburg.

Job

Selbst und ständig oder “Warum ein Kindheitstraum auch Schattenseiten hat”

Die meisten Leser dieses Blogs werden wissen, dass ich mein täglich Brot mit der grafiniert UG verdiene. Ich habe 2008  als Einzelunternehmer angefangen kleine Webprojekte umzusetzen und innerhalb kurzer Zeit hat sich aus der Freizeitbeschäftigung mit Vergütung ein ganz gut laufendes, kleines Unternehmen entwickelt.

Wir sind aktuell ein Team aus 6 Studenten und entwickeln hauptsächlich die kleinen, bunten Alleskönner für mobile Telekommunikationsgeräte mit einem angebissenen Apfel drauf. Ihr wisst schon: Diese Apps von denen grad jeder redet.

Aber moment. Eigentlich wollte ich ja keinen “Ach mein Leben ist toll”-Post rauslassen.

Selbstständig zu sein war schon immer ein Kindheitstraum von mir. Ich muss ihn wohl von meinem Vater geerbt haben, der hat nämlich auch immer davon geträumt. Allerdings hat das “Sein eigener Chef sein” auch die eine oder andere Schattenseite, über die ich heute mal berichten möchte.

  1. Man hat NIE frei
    Wochenende? Feierabend? Nicht erreichbar sein? Könnte diese Wörter mal bitte jemand für mich googlen, ich hab vergessen was die bedeuten. Wenn ihr vor habt euch selbstständig zu machen müsst ihr entweder unglaubliche Disziplin haben um diesen privaten Raum einzuhalten oder ihr arbeitet einfach selbst und ständig. Immer wieder erwische ich mich, wie ich am Wochenende, Nachts in der Disco oder abends auf der Couch immer wieder meine Mails checke. Es könnte ja was wichtiges rein kommen. Aber: Die ersten Schritte hin zu geregelten Arbeitszeiten sind getan, aber sie erfordern eine ganze Menge an Selbstdiziplin.
  2. Man ist nicht sein eigener Chef
    “Du bist doch dein eigener Chef und kannst tun, was du willst”. Sprüche dieser Art höre ich oft von Freunden. Klar, theoretisch richtig.
    Doch wie sieht das in der Realität aus? Kunden geben einem mal genauer, mal weniger genau vor, wie das gewünschte Produkt auszusehen hat, wann es fertig sein soll und wieviel es maximal kosten darf. Man kann zwar immer noch “nein” sagen, aber das wars dann auch schon fast :-) Beratungsresistenz ist leider kein Fremdwort und die Bereitschaft Meinungen von Spezialisten gelten zu lassen ist oftmals sehr gering. Schade eigtl., ich geh doch auch nicht zum Bäcker und sage ihm wie er sein Brot backen muss.
  3. Mitarbeiter sparen einem selbst Zeit
    “Oh Gott, ich schaff das alles nicht mehr. Stellen wir jemanden ein.” Problem gelöst. Denkste.
    Jeder Mitarbeiter nimmt einem einen gewissen Teil der Arbeiten ab. Klar. Die Einarbeitungszeit frisst aber erst einmal Unmengen an Zeit. Passt derjenige ins Team? Wie schlägt er sich? Kann ich mich auf seine Arbeit verlassen? In der ersten Zeit heißt es erst einmal investieren. Irgendwann ist sicher der Zeitpunkt erreicht, an dem ein Mitarbeiter wirklich entlastet, das dauert aber und kann unter Umständen ganz ausbleiben.
  4. Man lebt mit dem Risiko
    Als Selbstständiger gilt die Regel: Verdiente ein Monat, lebe zwei davon. Klingt im ersten Moment viel, aber wenn man die Situation reell betrachtet ist dieses Dogma total vernünftig. Man lebt tagtäglich mit dem Risiko von ausbleibenden Aufträgen, Krankheit oder ähnlichem. Als Arbeitnehmer hat man dieses Risiko nur zum Teil. Man ist krankenversichert und bekommt üblicherweise eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

So, erst mal genug der Jammerei. Im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden mit meiner Entscheidung, parallel zum Studium ein kleines Unternehmen zu führen und so mein finanziell doch sehr unbeschwertes Leben zu ermöglichen.

Was denkt ihr? Seid ihr selbstständig und kennt die Probleme oder habt ihr schon mal darüber nachgedacht euch selbstständig zu machen? Oder seid ihr Arbeitnehmer und kämpft mit anderen Problemen?